In der aktuellen politischen Debatte wird – zuletzt prominent durch Friedrich Merz – erneut die Einführung einer allgemeinen Klarnamenpflicht im Internet gefordert, vorgeblich zum Schutz unserer freiheitlichen Gesellschaft. Wir als Liberale Gaming Allianz lehnen diesen Vorstoß entschieden ab. Er zeugt von einem grundlegenden Missverständnis digitaler Lebensrealitäten und stellt einen beispiellosen Eingriff in unsere Bürger- und Freiheitsrechte dar.
Für uns Gamerinnen und Gamer sind Nicknames, Avatare und GamerTags nicht einfach nur ein Deckmantel für schlechtes Benehmen. Sie sind Ausdruck unserer digitalen Identität, unserer Kreativität und – was am wichtigsten ist – ein essenzieller Schutzmechanismus.
Wer im Netz und in Spielen unterwegs ist, weiß: Die Möglichkeit, pseudonym zu agieren, schützt vor Doxing, Stalking und Diskriminierung im echten Leben. Gerade für marginalisierte Gruppen oder Menschen, die in ihrem Alltag Repressalien fürchten müssen, ist Anonymität oft die einzige Möglichkeit, frei und sicher am gesellschaftlichen Diskurs oder an Online-Communities teilzunehmen.
Eine Klarnamenpflicht widerspricht zutiefst unseren liberalen Grundwerten von Freiheit und Eigenverantwortung aus folgenden Gründen:
- Generalverdacht statt Freiheit: Alle Bürgerinnen und Bürger im Netz pauschal dazu zu zwingen, ihre Identität offenzulegen, stellt sie unter Generalverdacht. Eine freiheitliche Gesellschaft schützt man nicht, indem man ihre fundamentale Privatsphäre abschafft.
- Sicherheitsrisiko statt Schutz: Eine Registrierungspflicht mit echten Daten zwingt Plattformen dazu, gigantische Datenbanken mit sensiblen Identitätsdaten anzulegen. Solche „Honeypots“ sind ein gefundenes Fressen für Hacker. Bei Datenleaks drohen reale Gefahren für Millionen von Nutzern.
- Symbolpolitik ohne Wirkung: Wer wirklich kriminelle Absichten hegt, wird Mittel und Wege finden (z. B. VPNs, gefälschte Identitäten oder ausländische Server), eine solche Pflicht zu umgehen. Getroffen wird am Ende nur der gesetzestreue Bürger, dessen Recht auf informationelle Selbstbestimmung beschnitten wird.
Als Liberale Gaming Allianz fordern wir eine moderne, zukunftsgewandte Netz- und Digitalpolitik. Gegen Hass und Kriminalität im Netz helfen keine aus der Zeit gefallenen Überwachungsfantasien, sondern eine bessere personelle und technische Ausstattung unserer Ermittlungsbehörden sowie die Stärkung von digitaler Kompetenz und Zivilcourage in den Communities.
Unser Fazit: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, aber es darf auch kein Überwachungsstaat werden. Wir stehen für ein Netz, das Raum für freie Entfaltung, Gaming und Austausch lässt – ohne Ausweiskontrolle am Login-Screen.