Liberale
Gaming Allianz
Nächstes
Event
00:00:00:00
Mitglied werden
Politik 12.10.2026 · 4 Min Lesezeit

Kinderschutz ja, Ausweis zum Zocken nein – unsere Stellungnahme zum EU Kids Act.

A Adrian ZetzschkeLiberale Gaming Allianz
Grafik: „EU Kids Act. Schutz ja. Ausweis nein.“ – Stellungnahme der Liberalen Gaming Allianz zum Vorschlag der EU-Kommission

Am 17. September 2026 hat die EU-Kommission den EU Kids Act vorgelegt. Das Ziel – Kinder im Netz besser zu schützen – teilen wir ausdrücklich. Doch der Entwurf legt an fast jedes Videospiel Social-Media-Maßstäbe an und drängt erwachsene Spielerinnen und Spieler faktisch zur Altersfeststellung. Wir fordern deutliche Nachbesserungen.

Worum es geht

Der EU Kids Act (COM(2026) 681) ist als Verordnung geplant. Er würde also direkt in allen Mitgliedstaaten gelten – schon sechs Monate nach Inkrafttreten. Eigene Konten in sozialen Netzwerken soll es erst ab 15 geben. Soziale Netzwerke, Videoplattformen, KI-Chatbots, App-Stores und ausdrücklich auch Online-Spiele müssen sichere Voreinstellungen für Kinder bieten. Dazu kommt ein EU-weiter Rahmen für Altersnachweise.

Was wir gut finden

  • Ein Rahmen statt 27 Einzelgesetze: Einheitliche Regeln sind besser als ein nationaler Flickenteppich – für Familien wie für Studios.
  • Sicheres Design statt Spieleverbot: Spiele werden für Kinder nicht gesperrt, sondern sollen sicher voreingestellt sein.
  • Datenschutz beim Altersnachweis: Einen Ausweis beim Spielebetreiber verlangt der Entwurf nicht. Lösungen dürfen niemanden identifizieren oder tracken und müssen nach dem Beim Null-Wissen-Beweis (englisch: Zero-Knowledge-Proof) weist du nach, dass eine Aussage stimmt – etwa „Ich bin über 18“ –, ohne darüber hinaus etwas preiszugeben. Der Anbieter erfährt weder deinen Namen noch dein Geburtsdatum, sondern nur: Ja oder Nein. arbeiten.
  • Kein Login-Zwang: Mechaniken, die Kinder fürs Nicht-Einloggen bestrafen, werden für Minderjährige untersagt.
  • Medienkompetenz als Auftrag: Die Mitgliedstaaten sollen Hilfsangebote und digitale Kompetenz stärken – genau unsere Linie „Medienkompetenz statt Verbote“.
  • Echte Preise – im Grundsatz: Euro-Preise für Spielwährung verlangt der Entwurf bislang nur bei sozialen Netzwerken. Für Games fordern wir das ausdrücklich.

Wo der Entwurf danebenliegt

  1. Fast jedes Spiel ist betroffen: Erfasst ist jedes Spiel mit irgendeiner Online-Komponente – vom Indie-Puzzlespiel aus dem Download-Shop bis zum Multiplayer-Shooter. Ausgenommen sind nur reine Disc-Versionen ganz ohne Online-Anbindung. Wie stark sich die Pflichten nach dem Risiko abstufen, regelt der Entwurf nicht rechtssicher.
  2. Altersfeststellung als Eintrittskarte: Spiele müssen standardmäßig auf Kinder eingestellt sein. Wer nicht nachweist, erwachsen zu sein, bekommt die Kinderfassung – Mikro aus, Kontakte nur nach Freigabe. Auch eine datensparsame Alterskontrolle für jeden Erwachsenen und jedes Spiel ist unverhältnismäßig. Dass solche Verfahren Risiken schaffen, zeigt Discord: Bei einem Dienstleister könnten Ausweisfotos von rund 70.000 Nutzern aus Einsprüchen gegen Altersentscheidungen offengelegt worden sein.
  3. Multiplayer im Social-Media-Raster: Kein Kontakt ohne Freigabe, keine Gruppe ohne Zustimmung, Mikro standardmäßig aus. Ob Matchmaking und Team-Chat darunterfallen, lässt der Text offen. Im schlimmsten Fall funktionieren kooperative Spiele für Jugendliche nicht mehr.
  4. Lootboxen – Ziel genannt, Regel vergessen: Der Schutz vor bezahlten Zufallsmechaniken steht nur in den Regeln für soziale Netzwerke. Für Spiele, wo Lootboxen tatsächlich verbreitet sind, fehlt der Verweis.
  5. Ältere Spiele, Community-Server, kleine Studios: Es gibt keinen Bestandsschutz und keine Erleichterungen für kleine Entwickler. Das Risiko: Für Publisher kann Abschalten billiger sein als Nachrüsten. Ob Fans und Vereine, die Server für alte Spiele betreiben, als „Anbieter“ gelten, bleibt offen.

Dazu kommen zu knappe Fristen, weitreichende Befugnisse der Kommission, die Regeln später ohne Parlament zu verschärfen, und zahlreiche handwerkliche Fehler im Text. Alles dazu steht in unserer ausführlichen Stellungnahme.

„Kinderschutz gehört dorthin, wo Kinder wirklich gefährdet sind: in offene Chats und Echtgeld-Shops. Eine Alterskontrolle für jedes Spiel und jeden Erwachsenen ist dafür das falsche Werkzeug.“

Adrian Zetzschke, stellvertretender Vorsitzender der Liberalen Gaming Allianz

Was Kinder wirklich schützt

Wir wollen Kinderschutz, der im Spielalltag funktioniert: Freundschaftsanfragen und Nachrichten von Fremden für Kinder standardmäßig aus, Team-Chat mit Filter, Stummschalten und Meldeknopf. Elternwerkzeuge, die einmal auf Konsole oder Handy eingerichtet werden und für jedes Spiel gelten. Ausgabenlimits und Euro-Preise. Sichtbare USK-Hinweise auf Chats und In-Game-Käufe. Und vor allem Medienkompetenz – für Kinder, Eltern und Lehrkräfte.

Unsere Forderungen

  1. Regeln nur für Spiele mit echtem Risiko: offene Kommunikation mit Fremden, nutzergenerierte Inhalte oder Echtgeld-Käufe.
  2. Altersfeststellung nur bei konkretem Risiko, nicht als Eintrittskarte fürs Spielen. Ein einmal festgestelltes Alterssignal muss für alle Spiele reichen, pseudonymes Spielen muss möglich bleiben.
  3. Lootboxen und Echtgeldpreise auch für Games klar regeln: Preise in Euro, offene Gewinnwahrscheinlichkeiten, keine bezahlten Zufallsinhalte für Minderjährige.
  4. Bestandsschutz für ältere Spiele, Ausnahmen für Community-Server und Archive, Erleichterungen für kleine Studios.
  5. Realistische Fristen und ein Verhaltenskodex auf Basis von PEGI und USK, bevor die Pflichten greifen.

Die ausführliche Stellungnahme

Alle Kritikpunkte mit Fundstellen im Gesetzestext, unsere Forderungen im Detail und die Quellen gibt es als PDF:

Jetzt beraten Europäisches Parlament und Rat über den Entwurf. Wir suchen das Gespräch mit Abgeordneten und bringen die Sicht der Gaming-Community ein. Du hast Fragen oder Anmerkungen? Schreib uns.

Dokument